Roller Derby

Was ist das?

Roller Derby ist ein Vollkontakt-Teamsport, der auf Rollschuhen (Quad Roller Skates) auf einer ovalen Bahn und gegen den Uhrzeigersinn gespielt wird.

Die RuhrPott Roller Girls beim Defensiv-Spiel.
Die RuhrPott Roller Girls beim Defensiv-Spiel. Foto: © Eberhard Kamm

Ursprünglich im US-Amerika der 1930er Jahre von Leo Seltzer als wildes Ausdauerrennen mit rowdiehaften Einlagen ins Leben gerufen und zum TV-Hit etabliert, verschwand Roller Derby in den 1970ern wieder von der Bildfläche. Seit 2000 erlebte Roller Derby in Austin, Texas (USA) eine Renaissance als reiner, selbstorganiserter Frauensport – auf einer flachen Bahn (flat track) und auch auf einer Steilwandbahn (banked track) – verbreitete sich schnell in ganz Amerika und kam schließlich 2006 als Flat Track Roller Derby auch in Deutschland an. Roller Derby erfreut sich weltweit einer rasant wachsenden Beliebtheit – zuerst als reiner Frauensport und seit kurzem auch als Männersport („Merby“) oder als Junior Derby für Kinder und Jugendliche. Bisweilen gründete sich in fast jeder größeren Stadt in Deutschland ein eigenes Frauen-Team und einige wenige Männerteams. Der taktisch anspruchsvolle Teamsport trainiert die sportliche Kondition, Kraft und Agilität und zeichnet sich außerdem besonders durch eine starke Gemeinschaft sowie die Do-it-yourself-Organisation „by the skaters, for the skaters“ aus. Die zehn weltbesten Roller Derby Teams treffen jedes Jahr bei den WFTDA Championships aufeinander, nachdem sie vorher vordere Platzierungen in Qualifikationsturnieren belegen mussten. Beim bisher zweiten Roller Derby World Cup im Dezember 2014 haben 30 Nationalteams um die Weltmeisterschaft gekämpft, beim ersten World Cup 2011 waren es erst 13. Zusätzlich gibt es mehrere größere, europäische Turniere. Nachdem es 2013 noch ein entscheidendes Turnier um die Deutsche Meisterschaft in Stuttgart gab, hat sich Roller Derby Deutschland nun dafür entschieden, die Deutsche Meisterschaft in einem Ligensystem auszuspielen. Es wird eine erste, eine zweite und mehrere dritte Bundesligen geben. In einer Liga spielen bis zu fünf Teams. Welche Teams in welcher Liga beginnen, entscheidet das Ranking auf der Internetseite Flattrackstats.

wftda_logo-142x200
Grafik: © WFTDA

Seit 2009 wird auch im Ruhrpott, genau gesagt in Essen, Roller Derby als Frauensport auf einer flachen Bahn nach den Regeln der Women’s Flat Track Derby Association (WFTDA) gespielt. Die WFTDA ist der größte weltweit agierende Roller Derby Verband. Die RuhrPott Roller Girls spielen regelmäßig gegen andere Teams aus Europa.

 

Die Spielregeln kurz zusammengefasst

Track-Aufbau
Flat Track Roller Derby Spielaufbau. Grafik: © RPRG

Auf einer ovalen, flachen Bahn (Track) treten zwei Teams mit jeweils vier Blockerinnen und einer Jammerin gegeneinander an. Beide Jammerinnen sind durch die Helmhauben mit dem Stern gekennzeichnet. Die fünf Spielerinnen pro Team auf dem Track werden jeweils aus maximal 14 Spielerinnen, die an einem Spiel teilnehmen dürfen (= Roster), aufgestellt. Der Teamkader (= Charter) für einen Wettbewerb enthält max. 20 aufstellbare Spielerinnen. Das Spiel ist in zwei 30-minütige Halbzeiten (= Periods) und darin wiederum in Jamsunterteilt. Ein Jam ist eine maximal 2-minütige Spielphase. Die einzelnen Jams sind durch eine 30-sekündige Pause (für die Neuaufstellung = Line-up) oder Timeouts voneinander getrennt. Die Jammerinnen starten hinter der Jammerline (hintere Startlinie) und die Blockerinnen zwischen der Pivotline (vordere Startlinie) und der Jammerline. Nach Anpfiff des Jams ist es die Aufgabe der Blockerinnen, ihrer eigenen Jammerin dabei zu helfen (Offensive) und gleichzeitig die gegnerische Jammerin daran zu hindern (Defensive), vorbei zu kommen. Während eines Jams fahren die Blockerinnen beider Teams zusammen in einem „Pack“. Die Jammerinnen sind für’s Punkten zuständig. Beim ersten Passieren des Packs (= Initial Pass) werden noch keine Punkte erzielt, es dient allein dazu, den sogenannten „Lead Jammer-Status“ zu erreichen. Den Lead Jammer-Status erhält diejenige Jammerin, die als erste regelkonform aus dem Pack vorne heraus fährt. Er berechtigt sie dazu, den Jam vor Ablauf der 2 Minuten aus taktischen Gründen abzubrechen (Callen). Der Abbruch des Jams wird angezeigt, indem sich die Lead-Jammerin mindestens zweimal mit beiden Händen auf die Hüfte klopft. Der Lead Jammer-Status bietet große taktische Vorteile wie zum Beispiel das Verhindern von gegnerischen Punkten. Ab der zweiten legalen Überholung (1. Scoring Pass) erhält eine Jammerin für jede überrundete Gegnerin einen Punkt. Die Blockerin mit dem Streifen auf dem Helm wird als Pivot bezeichnet. Sie darf für die Jammerin übernehmen, indem Sie die Haube mit dem Stern von der Jammerin übergeben bekommt und sie sich selbst aufsetzt. Das nennt man Star Pass. Das Team mit den meisten Punkten am Ende des Spiels gewinnt.

Spielbetrieb-210x120
Jammerin und Jammer-Referee. Foto © Eberhard Kamm

Für die Regelung des allgemeinen Spielbetriebs und die Einhaltung der Regeln, wie zum Beispiel beim Blocken der Gegnerinnen sowie für das Sammeln der Punkte und der 30-sekündigen Strafzeiten (= Penalties) braucht es beim Roller Derby zahlreiche Offizielle – auf Skates die maximal sieben gestreiften Schiedsrichter (= Referees alias „Zebras“) und ohne Skates die Non Skating Officials, kurz NSOs (alias „Flamingos“). Pro Spiel umfasst die Officials Crew ca. 20 essentiell wichtige Personen.

Hier könnt ihr die kompletten Spielregeln in englischer Sprache nachlesen.

 

Für den Experten-Durchblick beim nächsten Spiel

Kleiner Auszug zum Thema Blocken – was ist erlaubt?
Blocken. Foto © Eberhard Kamm
Blocken. Foto © Eberhard Kamm

Das Blocken unterliegt einigen Regeln, bei Missachtung werden Strafzeiten vergeben, bei grob fahrlässiger Missachtung droht der sofortige Ausschluss vom Spiel. Es darf nur mit bestimmten Zonen geblockt werden und wiederum nur auf bestimmte Zonen gezielt werden (s. Grafik). Erlaubt ist das Blocken zum Beispiel mit dem Rumpf von den Schultern bis über das Knie, ausgeschlossen sind die Unterarme ab der Ellenbogen. Legale Zielzonen sind ebenfalls der Rumpf von den Schultern bis über das Knie, ausgeschlossen ist jedoch die mittlere Rückenseite, nicht ausgeschlossen sind hier die Arme. Nicht erlaubt sind also das Festhalten, Schubsen oder Wegschieben einer Gegnerin mit den Armen, Ellenbogen oder Händen, das Blocken in den Rücken, an den Kopf/Hals oder der Kontakt unterhalb der Oberschenkel wie zum Beispiel das Beinstellen. Erlaubt ist jedoch das aktive Blocken mit den Schultern, den Hüften, dem Rücken, Gesäß oder der Vorderseite sowie das aktive Zusammenspiel mit Spielerinnen aus dem eigenen Team. Festhalten ist hier erlaubt, solange die Verbindung der Arme keine Gegnerin am Vorbeikommen hindert, denn mit den Armen darf nicht unmittelbar geblockt werden.

Block-Zonen. Grafik: © RPRG
Block-Zonen. Grafik: © RPRG

 

 

 

 

 

 

 

 

Kleiner Auszug zum Thema Pack – wie wird das Pack definiert?
Das Pack und die Engagement Zone. Grafik: © RPRG
Das Pack und die Engagement Zone. Grafik: © RPRG

Das Pack ist die größte Anzahl an Blockerinnen beider Teams, die sich aufrecht und innerhalb der Track-Grenzen auf Skates in einem Abstand von maximal 10 Fuß (= ca. 3 Meter) befindet. Jede Blockerin ist dafür verantwortlich, dass das Pack nach dieser Definition aufrecht erhalten wird. Bei Nichteinhalten werden Strafzeiten erteilt und das Team spielt solange in Unterzahl. Die Jammerinnen sind nicht Teil des Packs, sie umrunden es, um zu punkten. Geblockt werden darf allerdings nicht nur innerhalb des Packs, sondern auch innerhalb der sogenannten Engagement Zone, das sind maximal 20 Fuß (= ca. 6 Meter) vor der vordersten und hinter der letzten Pack-Skaterin.

Kleiner Auszug zum Thema Punkten – wie kommt die Jammerin zu ihren Punkten?
 Sobald die Jammerin während eines Jams das zweite Mal die Engagement Zone erreicht hat, darf sie Punkte holen (= 1. Scoring Pass). Dazu muss sie aufrecht und innerhalb der Trackgrenzen mit der Mitte ihrer Hüfte die Mitte der Hüfte ihrer Gegnerin passieren. Pro Scoring Pass bekommt die Jammerin für jede gegnerische Blockerin höchstens einen Punkt. Es können auch Punkte für gegnerische Jammerinnen erhalten werden, wenn diese überrundet worden sind. Wenn die Jammerin es zum Beispiel schafft, alle vier gegnerischen Blockerinnen und die gegnerische Jammerin zu überholen, erhält sie volle fünf Punkte (= Grand Slam). Überholt die Jammerin eine Gegnerin nicht legal, bekommt sie den Punkt nicht oder hat die Möglichkeit, sich zurückfallen zu lassen und die Überholung legal zu wiederholen, solange dies im gleichen Scoring Pass geschieht.  Wenn die Jammerin in einem Scoring Pass in die Engagement Zone einfährt und sich nicht alle Gegnerinnen auf dem Track befinden, bekommt sie die Punkte für diese Spielerinnen, wenn sie die erste gegnerische Blockerin im Pack legal überholt (= Not on Track Points). Befinden sich zum Beispiel eine gegnerische Jammerin und eine gegnerische Blockerin auf der Strafbank und die Jammerin auf dem Track überholt die erste gegnerische Blockerin legal, so hat sie bereits drei Punkte sicher.

Interesse geweckt? Nimm Kontakt mit uns auf.